Empirische Schulforschung

„AUE“ – Aushandlungsprozesse in der Unterrichtsentwicklung

Die gemeinsame Entwicklung von Unterricht durch mehrere Lehrkräfte wird als eine Möglichkeit angesehen, verschiedene Perspektiven zusammenzuführen und dadurch qualitativ hochwertigen Unterricht entwickeln zu können; dies können sowohl Lehrkräfte desselben Faches sein, wie auch Lehrkräfte unterschiedlicher Fächer und damit unterschiedlicher Expertisen. Wie die Forschung zur Kooperation zeigt, ist eine solche intensive Zusammenarbeit von Lehrkräften, in denen Inhalte gemeinsam ausgehandelt werden, die Ausnahme und zeit- und ressourcenaufwändig. Es zeigt sich allerdings, dass funktionierende Kooperationen z.B. mit einem geringeren Belastungserleben auf Seiten der Lehrkräfte einhergehen und sich Unterrichtsmerkmale, wie etwa das Klassenmanagement oder die Unterrichtsqualität, positiv beeinflussen lassen. Die beteiligten Lehrpersonen müssen jedoch bereit sein, ihre Praxis und Expertise mit Kolleginnen und Kollegen zu offen zu legen und zu besprechen. Die bisherige Forschung hat Lehrkräftekooperation häufig über Selbstberichtsmaße erhoben, sei es durch quantitative Fragebogenerhebungen oder qualitative Interviews mit Lehrpersonen. Wie genau die Prozesse auch auf der Ebene der Interaktionen und Aushandlungen ablaufen, wurde bisher nicht im Detail untersucht. 

Im vorliegenden Projekt untersuchen wir daher die Interaktionen und Aushandlungsprozesse von Lehrpersonen, die gemeinsam Unterrichtsmaterialien entwickeln. Dabei nutzen wir Sekundärdaten und untersuchen, durch welche Interaktionsmerkmale sich die Aushandlungen der Lehrkräfte hin zu einem gemeinsamen Produkt beschreiben lassen. Zu diesem Zweck haben wir zunächst ein Codiersystem entwickelt (Ritter et al., 2025), das sowohl interaktionsanalytische Aspekte als auch Kennzeichen von Kooperation erfasst. Dieses System wurde erweitert, um zusätzlich Merkmale von kokonstruktiver Kooperation (Grosche et al., 2020) sowie Lernmechanismen – die Entwicklung einer gemeinsamen, geteilten Expertise also – zu erfassen (Akkermann & Bakker, 2011). Ziel des Projektes ist es, Muster in den Interaktionen beschreiben zu können, um so zum einen die kokonstruktiven Aushandlungsprozesse charakterisieren zu können und zum anderen darzustellen, durch welche Interaktionsmuster diese Kooperationsprozesse gestaltet werden. Das detaillierte Wissen um solche Aushandlungsprozesse kann genutzt werden, um Lehrkräfte in Unterrichtsentwicklungsprozessen zu unterstützen. 

Projektleitung:
Prof. Dr. Kathrin Fussangel (BUW)
Dr. Rosi Ritter (BUW)
Vertr. Prof. Dr. Cordula Schwarze (UzK)

Laufzeit: seit 2025

Finanzierung: Eigenmittel